Marie Curie
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Budzimira Wojtalewicz-Winke war die Initiatorin unserer Schulpartnerschaft mit dem Danziger Jan-Heweliusz-Gimnazjum.

Budzimira Wojtalewicz-Winke
Budzimira Wojtalewicz-Winke
*16.6.1924 – 4.5.2015

An dieser Stelle möchten wir die Besucher unserer Schulhomepage mit Budzimira Wojtalewicz-Winke bekannt machen. Dies ist uns wichtig, denn neben Marie Curie ist sie die zweite Polin, die einen starken Einfluss auf unsere Schule hatte. Natürlich ist es kein Zufall, dass wir ausgerechnet zwei Polinnen nennen, wenn es um die Entwicklung unserer Schule geht.
Bevor die beiden Vorgängerschulen der heutigen Realschule plus, die Realschule und die Hauptschule Bad Marienberg, fusionierten, hatten beide Schulen kurz nacheinander jeweils einen Namenspatron für einen individuellen Schulnamen ausgewählt.

Die Realschule fand ihre Namenspatronin in der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie. Weil Marie Curie, die mit einem Franzosen verheiratet war, aus Polen stammte, entstand die Idee an der Schule polnische Partner zu suchen. Wir fanden sie zunächst direkt im Westerwald, in einem Verein, der sich die deutsch-polnische Verständigung auf seine Fahne geschrieben hat, der Deutsch-polnischen Gesellschaft Westerwald e.V. (DPG Westerwald). Schnell wurde ein gemeinsamer deutsch-polnischer Abend organisiert, der bei vielen Menschen Anklang fand – besonders aber bei Budzimira Wojtalewicz-Winke. Sie lebte seit Jahren mit ihrem deutschen Mann im Westerwald, war Ehrenmitglied der DPG und war sehr begeistert vom Besuch des deutsch-polnischen Abends. Spontan bot sie ihre Hilfe bei der Suche nach einer polnischen Partnerschule in Danzig an. Durch ihre guten Kontakte entstand dann im Mai 2008 unsere Schulpartnerschaft mit dem Jan-Heweliusz-Gimnazjum in Danzig.

Budzimira Wojtalewicz-Winke und Schulleiter Thomas Eppendorf beim ersten Besuch einer Bad Marienberger Schülergruppe in der Danziger Partnerschule im September 2008.
Budzimira Wojtalewicz-Winke und Schulleiter Thomas Eppendorf beim ersten Besuch einer Bad Marienberger Schülergruppe in der Danziger Partnerschule im September 2008. Die polnischen Schülerinnen und Schüler tragen ihre Schulkleidung.

Die Polin und ehemalige „Wahl-Westerwälderin“ Budzimira Wojtalewicz-Winke ist leider inzwischen im gesegneten Alter von 90 Jahren in ihrer Heimatstadt Danzig Anfang Mai 2015 gestorben. Sie, deren Vater von Nationalsozialisten kurz nach Kriegsbeginn 1940 im späteren KZ Stutthof bei Danzig ermordet wurde und die sich aktiv am polnischen Widerstand gegen die Deutschen während der Jahre der Nazidiktatur beteiligt hatte, war in den 80er Jahren von der politischen Entwicklung in ihrem Heimatland enttäuscht, als die Gewerkschaft Solidarność verboten und das Kriegsrecht ausgerufen wurde. Ihre Unterstützung der verbotenen Gewerkschaft führte dazu, dass ihr die polnische Geheimpolizei sehr zusetzte, sodass sie 1986 nach Deutschland ging. Hier fand sie in Herbert Winke einen späten Lebenspartner, mit dem sie sich in Atzelgift bei Hachenburg niederließ.

Budzimira Wojtalewicz-Winke

Auch im Westerwald blieb sie die agile, interessierte und zugewandte Persönlichkeit, die lupenreines Deutsch sprach, knüpfte Kontakte zu ehrenamtlich engagierten Menschen wie dem Verein „Frischer Wind Atzelgift“ und der Deutsch-polnischen Gesellschaft (DPG) Westerwald e. V.

Wojtalewicz-Winke im Mai 2007 mit Freunden aus der DPG Westerwald e.V. – und mit ihrem Ehemann Herbert Winke, der eine Werbetasche der Stadt Danzig in der Hand hält.

Einen Teil jedes Jahres verbrachte sie regelmäßig in ihrer Heimatstadt Danzig – das war ihre Bedingung für die Heirat von Herbert Winke gewesen – und behielt so immer die Entwicklung der Demokratie in Polen im Auge.

Bei Besuchen von Schulgruppen der Bad Marienberger in Danzig und umgekehrt der Danziger in Bad Marienberg ließ sie es sich nicht nehmen, bei den Schülerbegegnungen an beiden Orten teilweise dabei zu sein und das Gespräch mit den jungen Menschen zu suchen. Immer wieder ermunterte sie die Jugendlichen, ihre Freundschaften über die Grenzen beider Nachbarländer hinweg zu festigen und zu pflegen.

B.Wojtalewicz-Winke 2009 vor der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Marienberg
B.Wojtalewicz-Winke 2009 vor der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Marienberg mit Stadtbürgermeister Dankwart Neufurth (rechts neben Budzimira) und Krystina Koch von der DPG (roter Mantel), VG-Bürgermeister Jürgen Schmidt und Schulleiter Thomas Eppendorf (links), und einer Danziger Schülergruppe

Als das Ehepaar Wojtalewicz-Winke Ende 2011 in der Nähe ihres Heimatortes Atzelgift einen schweren Verkehrsunfall hatte, bei dem der Ehemann ums Leben kam, während seine Frau schwer verletzt geborgen werden konnte, war das ein großer Schock für die Westerwälder Freunde der lieben Danzigerin Budzi, wie sie sich gern nennen ließ. Nach mehreren Monaten im Koma und dann einer nur langsamen Genesung mit langen Krankenhausaufenthalten blieb Budzimira Wojtalewicz-Winke querschnittgelähmt und entschied sich schließlich, ihren Lebenssitz wieder ganz in die Heimat, in die Stadt Danzig zu verlegen. Sie, die in Polen mit vielen öffentlichen Ehrungen bedacht und als Zeitzeugin und „Heldin“ des Widerstands gegen die deutschen Nationalsozialisten eine sehr bekannte Persönlichkeit ist, erhielt durch Vermittlung des Danziger Oberbürgermeisters Paweł Adamowicz einen Platz in einem Altenzentrum der Hansestadt.

Budzimira Wojtalewicz-Winke 2009 im Gespräch mit zwei Schülerinnen aus Danzig in Bad Marienberg

Budzimira Wojtalewicz-Winke 2009 im Gespräch mit zwei Schülerinnen aus Danzig in Bad Marienberg Anfang 2014 erhielt Budzimira Wojtalewicz-Winke Besuch von der Vorsitzenden der DPG Westerwald, Irena Jung, und deren Stellvertreterin Dorota Schmidt, die den Kontakt zu ihrem Ehrenmitglied aufrechterhielten. Zu ihrem 90. Geburtstag im Juni 2014 fanden sich im festlich geschmückten Saal des Seniorenheims neben ihren Verwandten aus Deutschland und Polen auch politische Vertreter der Stadt Danzig und die bekannte Danziger Journalistin und Autorin Gabriela Danielewicz ein, aber auch ihre deutschen Krankenschwestern, zu denen während ihrer Pflege eine herzliche Freundschaft entstanden war, sowie der Schulleiter der Marie-Curie-Realschule plus Bad Marienberg, Thomas Eppendorf. Letzterer nahm als Vertreter seiner Schule und zugleich der DPG Westerwald auch an der bewegenden Beerdigung und Trauerfeier auf dem Danziger Friedhof Srebrzyska („Silberhütte“) teil, an dem Budzi nun ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Die Schulleiterin der Danziger Partnerschule, des Jan-Heweliusz-Gimnazjum, Małgorzata Perzyna, trat als erste Rednerin von vielen an das Mikrofon, um der sehr bedeutenden Persönlichkeit Budzimira Wojtalewicz-Winke ihre Hochachtung und Verehrung zum Ausdruck zu bringen. In ihrem Nachruf nannte sie Budzimira eine „Aktivistin der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen“ und verglich sie mit einem unersetzlichen Kettenglied der Verbindung beider Partnerschulen. Ihr schloss sich Gabriela Danielewicz mit einer langen Laudatio an, weitere Redner folgten. Einer der anwesenden Trauergäste hielt sich lediglich als Zuhörer unter den vielen auf: Dieter Schenk. Der deutsche Publizist und Schriftsteller hat seine Laudatio auf Budzimiras faszinierende Jugendzeit in dem längst vergriffenen Jugendbuch „Wie ich Hitler Beine machte. Eine Danziger Polin im Widerstand“ (C. Bertelsmann 2003) längst gehalten.